DER JANUAR
Wir möchten das Jahr 2026 mit diesem kleinen Gedicht von Erich Kästner aus dem Jahr 1955 beginnen. Mit ein paar leichten Pinselstrichen versetzt es uns auf beschauliche Weise in den kalten und dennoch stimmungsvollen Jahresanfang und lädt zum Nachdenken ein. Es stammt aus Kästners vergnüglichem Gedichtband “Die dreizehn Monate”.
ENERO
Nos gustaría comenzar el año 2026 con este breve poema de Erich Kästner de 1955. Con unas ligeras pinceladas nos traslada de forma tranquila en el frio y sin embargo emocional, comienzo de año y nos invita a la reflexión. Pertenece al ameno volumen de poemas de Kästner “Los trece Meses”.
Ver vídeo: https://www.youtube.com/watch?v=zk6peN9z5vk
DER JANUAR
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist Klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fensterr und wird langsam alt.
Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiβ und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.
Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heiβt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.
Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, auβer uns, viel besser werden soll.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist Klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.
Erich Kästner/Youtube, letzter Aufruf : 08.01.2026








